Testen, was humanoide Roboter draufhaben
| Ulla Rettig
Humanoide Roboter unter realistischen Bedingungen testen: Das ist ab sofort im neuen „Humanoid Robots Experience Lab" in Lemgo möglich. Dort hat das Fraunhofer IOSB-INA gestern (23. September 2026) sein neues Forschungszentrum in der SmartFactoryOWL eröffnet; mit einem, wie ich finde, sehr informativen und abwechslungsreichen Event:
Es gab Live-Demonstrationen, Fachvorträge, Diskussionsrunden und Use-Case-Präsentationen. Rund 120 Interessierte nutzten während der schnell ausgebuchten Veranstaltung die Gelegenheit, Näheres zum Stand der dynamisch voranschreitenden Technologie zu erfahren.
Zwei weitere Smart-Factory Standorte gibt es nun auch in #Karlsruhe und #Ilmenau. Sie verfolgen eigene Themen-Schwerpunkte.
In Lemgo konzentriert man sich darauf, mit flexibler und KI-basierter Robotik industrielle Produktionsprozesse zu optimieren. „Test before invest“ heißt das Motto, unter dem im „Experience Lab“ Industrieunternehmen, kleine und mittelständische Betriebe (KMU), aber auch sogenannte „Blaulichtorganisationen“ einen niedrigschwelligen Zugang zur Robotik erhalten sollen.
Gelegenheit bestehe dazu,
- humanoide Robotik, flexible Automatisierung und KI unter realen Bedingungen kennenzulernen,
- sie in der Praxis zu testen und
- konkrete Möglichkeiten für den Einsatz zu entwickeln.
Einige Nutzungsmöglichkeiten: Gegenstände transportieren, die Produktqualität kontrollieren, Maschinen bedienen und Teile montieren.
„Es ist schön, tanzende Roboter zu sehen, aber das hilft Ihnen in der Produktion nicht weiter“, so Instituts-Direktor Jürgen Jasperneite in seiner Begrüßungsrede. „Gerade der Mittelstand in OWL soll humanoide Robotik zunächst kennenlernen und ihre Möglichkeiten und Grenzen einschätzen können“, erklärte er. Integrieren lasse sich vieles, aber ob das auch wertschöpfend sei, stehe auf einem anderen Blatt. Der Professor riet dazu, nicht nur zu beobachten, wie rasant sich die Robotik entwickelt, sondern mitzugestalten.
Einige von vielen Fragen, die sich im Rahmen des Panels und von Use-Cases stellten:
- Was ist wichtiger: Beine oder Brain? Intelligenz hatte offenbar für viele Vorrang, zumal ein großer Teil der verbrauchten Energie sprichwörtlich in die Roboter-Beine fließt.
- Wie sicher ist der Einsatz von KI? Einig waren sich die anwesenden Experten, dass Tests auf jeden Fall in einem geschützten Umfeld stattfinden sollten.
- Welche Anwendungen lassen sich schon jetzt umsetzten? Dazu gab es erfrischenden Input aus der Praxis Key-Note-Speaker Amir Bechedli von der Audi AG. Eine Erkenntnis: So ziemlich jeder Prozess ist automatisierbar, aber nicht unbedingt auch wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar.
- Ein Blick in die Zukunft? Dazu Klaus Neumann: „Humanoide Roboter werden eine große Rolle spielen, aber sie werden nicht alles ersetzen.“
#Ostwestfalen-Lippe #OWL CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT) e. V. #Robotics
Andreas Freund