Stromverbrauch: Logistik überholt die „üblichen Verdächtigen“
Der Logistik-Sektor in Deutschland könnte schon ab 2035 die „üblichen Verdächtigen“ Stahl- und Chemiebranche als Spitzen-Stromverbraucher ablösen. Das hat das Institut für Kraftfahrzeuge (ika) - RWTH Aachen University in einer Modellrechnung ermittelt.
Die Elektrifizierung des Logistiksektors würde demnach bis 2045 zu einem Stromverbrauch führen, der mehr als acht Mal so hoch ist wie bisher.
Das ika hatte im Auftrag des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik ein Whitepaper zu dem komplexen Thema erarbeitet. Modelliert wurde der Brutto-Strombedarf des deutschen Logistiksektors im Zeitraum von 2025 bis 2045.
Nur: Wie schnell werden Logistik-Unternehmen zum Beispiel ihre Flotten elektrifizieren? Drei Szenarien in der Studie beschreiben „unterschiedliche Transformationsgeschwindigkeiten“, wie es im Fazit heißt, aber, und das ist wichtig, „… keine grundlegend verschiedenen Endzustände.“
Greifen wir das mittlere, sogenannte „Baseline-Szenario“ heraus: Auf 186 Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) kommt die Logistik demnach in Deutschland bis 2045, verglichen mit einem Bedarf von 22 Twh/a in 2025.
Gründe für den zunehmenden Hunger nach Strom:
- Haupttreiber ist der Straßengüterverkehr mit wachsenden E-Lkw-Flotten. Diese Entwicklung verläuft NICHT linear: „Vor 2030 ist der Wachstumspfad noch verhalten; ab Mitte der 2030er Jahre bestimmen große BEV-Bestände die Bedarfskurve“, so die Autoren der Studie. Der Anstieg wäre beträchtlich: von 4 TWh/a in 2025 auf rund 156 TWh/a zum Ende des Betrachtungszeitraums.
- Logistik-Immobilien brauchen 2045 rund 22,3 TWh/a (bisher 13 TWh/a) für Wärmepumpen und Kühlleistungen.
- Der Schienengüterverkehr wächst kontinuierlich, bleibt in der Gesamtschau aber nachrangig mit einer Steigerung von 5 TWh/a auf 8 TWh/a in 2045.
„Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten ist ein wesentlicher Baustein im Technologie-Mix, um den Güterverkehr ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu dekarbonisieren“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein, Institutsleiter ika RWTH Aachen University.
Eins steht für ihn fest: „Die auf Logistikdächern verfügbare Fläche bietet mit Aufdach-PV Potential zur Eigenproduktion, reicht aber nicht aus, um diesen Bedarf mehr als teilweise zu decken.“ Die installierte Kapazität solcher Aufdach-PV auf Logistikimmobilien steigt laut der Studie lediglich von etwa 5,8 Gigawatt-Peak (2025) auf rund 22,6 Gigawatt-Peak in 2045.
Quelle: Institut für Kraftfahrzeuge (ika) - RWTH Aachen University