Binnenschiffern in Deutschland macht Niedrigwasser in diesem Sommer besonders früh zu schaffen, vor allem auf frei fließenden Flüssen wie dem Rhein.
Drei von vier Gütertransporten per Schiff werden über die wichtigste Bundeswasserstraße in Europa abgewickelt. Auf dem gesamten Rhein, also von Basel bis zur Nordsee, wurden im Jahr 2024 Güter mit einem Gewicht von insgesamt 284,5 Millionen Tonnen transportiert, so die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR).
Durch die Hitzewellen der vergangenen Wochen hat sich die Lage zugespitzt. Nebenarme des Rheins, zum Beispiel bei Bendorf, sind fast ausgetrocknet. Fahrrinnen sind flacher und schmaler geworden. So steigt das Risiko für die Kapitäne, auf Sand- und Kiesbänke zu treffen oder sich auf felsigem Grund festzufahren.
Mit am kritischsten ist die Engstelle bei Kaub zwischen Koblenz und Bingen. Dort lag der Pegelstand gestern bei extrem niedrigen 45 cm. Zum Vergleich: Der mittlere Wasserstand beträgt dort eigentlich 2 Meter. Ein Rekord-Tiefpunkt wurde mit 25 Zentimetern im Oktober 2018 erreicht.
„Behördliche Fahrverbote“ gibt es trotzdem nicht, wie die WSV - Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) generell erklärt. Anders als bei Hochwasser seien die Schiffsführer bei niedrigen Pegelständen selbst für die sichere Fahrt bei Niedrigwasser verantwortlich.
In der Praxis sieht das so aus: Je flacher die Fahrrinne und je mehr Tiefgang ein Schiff hat, desto weniger Ladung kann es an Bord nehmen. Die einzelnen Schiffe transportieren also weniger Güter, manchmal nur noch 30 Prozent. Wenn die gesamte Fracht trotzdem schnell von A nach B gelangen soll, müssen Kunden mehr Schiffe ordern, wenn verfügbar. Das treibt Transportkosten hoch und führt zu logistischen Problemen, auch bei der Anlieferung.
Ein „Aktionsplan Niedrigwasser Rhein“ soll solche Situationen zu vermeiden. Dazu gehört der Bau von „flachgehenden“ Schiffen.
Blicken wir auf andere Wasserstraßen:
- Für Kanäle, also künstliche Wasserwege, werden Pumpwerke eingesetzt. Doch bei Wasserknappheit kann es zu Einschränkungen kommen.
- Flüsse wie die Weser oder die Mosel werden über Schleusen und Wehre reguliert.
Die Weser bezieht Wasser aus der Edertalsperre. Das führt seit Jahren zu Problemen, denn ein niedriger Wasserstand stört den Tourismus am See. Rechtlich gesehen hat die Schifffahrt Priorität: Die Talsperre dient vorrangig dazu, den Wasserstand auf der Oberweser zu regulieren. Nur: Inzwischen ist der See nicht einmal mehr zu einem Drittel gefüllt. Eine Mindestmenge an Wasser muss darin bleiben. Daher wird laut NW mit einem sinkenden Wasserstand auf der Weser und Beeinträchtigungen für die Schifffahrt gerechnet.
Zu Niedrigwasser lässt es sich gut im neuen Datenportal NIWIS stöbern (niwis-online.de). Bundesumweltminister Carsten Schneider hat es in der vergangenen Woche vorgestellt.
Weitere Quellen: BfG | Bundesanstalt für Gewässerkunde, elwis.de, WDR et al.