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(K)ein Abenteuer: Mit dem E-Mobil nach Sizilien und zurück

11.07.2024 Allgemeines

Zu einem sechswöchigen Roadtrip nach Italien sind meine Frau und ich im Mai 2024 aufgebrochen. Besonders abenteuerlich: Wir fuhren mit dem E-Mobil, unserem ID.3 von VW.

Ob die Ladeinfrastruktur in Italien so gut ausgebaut sein würde, dass man den Weg bis nach Sizilien und zurück bestreiten kann? Wir waren uns nicht so sicher, hörten so einige Gruselgeschichten und begegneten auf der Tour vielen staunenden Gesichtern.

Den ersten Härtetest erlebten wir am Brenner, denn die Steigung dort lässt die Reichweite recht schnell dahinschmelzen. Allerdings hatten wir zuvor in die App EnBW geschaut und unterwegs reichlich Ladestationen gefunden.

Reiseroute mit genauen Stopps geplant

Auf dem Weg von München nach Verona – unserem ersten Etappenziel in Italien – brauchen nur einen einzigen Ladestopp. In Verona fand ich eine Ladestation in der Nähe unserer Unterkunft. Problemlos akzeptierte die Säule meine Ladekarte von EnBW. Zwar lieferte die Station nur eine Leistung von 10 KW, aber ich konnte den Wagen ja stehenlassen, bis er wieder voll war. In die Stadt wollten wir ohnehin mit dem Bus fahren.

Um jeweils mit einer „Tankfüllung“ bis zum nächsten Etappenziel zu kommen, hatten wir in der Emilia-Romagna unsere Reiseziele entsprechend gewählt. Am nächsten Tag ging es von Verona nach Modena, bekannt für seinen Aceto Balsamico und natürlich für Rennfahrt-Legende Enzo Ferrari, dann weiter in die Nähe von Bologna. Insgesamt also „nur“ 150 Kilometer weit. Da unsere Unterkunft in den Bergen nahe Bologna lag und nicht über Ladesäulen verfügte, hatten wir unterwegs geladen.

Am nächsten Tag fuhren wir direkt zu einer Ladestation nahe der historischen Innenstadt von Bologna. Nicht, weil wir hätten laden müssen, sondern weil es das Parken erleichterte. Man muss zwar eine Blockiergebühr bezahlen, wenn man zu lange an einer Säule steht, aber vergleichbare Parkgebühren wären sonst auch üblich gewesen. Dass man jemandem die Ladesäule in der Zeit vorenthält ist eher unwahrscheinlich. Wir haben selten eine belegte Ladesäule gesehen. Und wenn, dann nutzte ein Verbrenner die Ladesäule als Parkplatz. Mein persönlicher Eindruck: Die Italiener scheinen noch nicht so überzeugt zu sein von der E-Mobilität – noch weniger als die Deutschen. Wenn wir E-Autos gesehen haben, dann eher die von Touristen in den Touristenhochburgen.

Lade-Möglichkeiten an fast jeder Autobahn-Raststätte

Als nächstes ging es in das nur 140 Kilometer entfernte Florenz. Über die A1 kein Problem. Auch wenn auf Autobahnen der Verbrauch anzieht und die Reichweite leidet, war diese Etappe ohne Ladestopp zu schaffen. Im Fall des Falles: An den Autobahnen sind fast immer Ladesäulen an den großen Raststätten zu finden. In Florenz nutzten wir wieder den gut ausgebauten ÖPNV. Tatsächlich gibt es dort sogar Straßenbahnen!

Von Florenz wollten wir auf dem Weg nach Neapel noch einen Zwischenstopp im Tarot-Garten von Künstlerin Niki de Saint Phalle einlegen. Dafür fuhren wir bis an den südlichen Rand der Toskana, nach Capalbio. Insgesamt reist man dafür 200 Kilometer über mehr oder weniger gut ausgebaute Landstraßen. Ladesäulen sind eher rar „gesät“ und vorwiegend in Touristenhochburgen wie Siena zu finden. In der Nähe von Grosseto, also kurz vor dem Ziel, suchten wir eine Schnellladesäule auf. Weil es uns nicht klar war, wie es mit Laden in der ländlichen Region rund um Capalbio aussieht.

Ziel hinter dem Bauzaun

Unser Misstrauen war unbegründet, denn am nächsten Morgen entdeckten wir vor der Weiterfahrt nach Neapel noch einen Supermarkt mit Schnellladesäulen. Während des Ladens stärkten wir uns in einer Bar mit Cappuccini und süßen Cornetti mit Crema. Danach ging es für 352 Kilometer auf die Autostrada, die Autobahn. Auch wenn wir nur mit 110 Km/h unterwegs waren, reicht der Akku nicht ganz für die Strecke. Folglich brauchten wir zwischendrin einen Ladestopp.

Mit 60 Kilometern Rest-Reichweite kamen wir am geplanten Ladestopp an einer Raststätte an. Dort konnten wir die Ladesäulen zwar sehen, allerdings unzugänglich hinter Bauzäunen. Und das, obwohl sie in der App als funktionstüchtig aufgeführt wurden. Sehr ärgerlich! Eine Alternative musste her, denn die nächste Lademöglichkeit an der Autobahn würden wir nicht mehr erreichen. In der App fand ich eine weitere, kleine Ladesäule, nur 15 Kilometer abseits der Autobahn. Daher folgten wir dem Navi mit verringerter Geschwindigkeit bis zur nächsten Ausfahrt und dem neuen Ziel.

Öffentliche Strom-Tankstelle im kleinen Gewerbegebiet

Wir gelangten in ein kleines Gewerbegebiet und zweifelten immer mehr daran, dort noch eine öffentlich erreichbare Ladesäule zu finden. Doch tatsächlich fand sich eine am Ende des Gewerbegebiets, vor eine Werkshalle. Ich frage mich schon, wer hier eine öffentliche Strom-Tankstelle geplant hat. Aber das war uns in dem Moment egal, denn mit 40 Kilometern Restreichweite konnten wir den Wagen nun anschließen und aufladen, wenngleich sehr langsam.

Sobald wir 150 Kilometer Reichweite erzielt hatten, fuhren wir den Rest der Strecke durch bis nach Pozzuoli am Golf von Neapel. Dort fanden wir die nächste Schnellladesäule. Von Pozzuoli nutzten wir den Zug, um ins rund 20 Kilometer entfernte Neapel zu gelangen, denn der Autoverkehr in der 900.000-Einwohner-Stadt ist eher herausfordernd.

Das nächstes „Lade-Abenteuer“ erwartete uns in Kalabrien: Nach einem entspannten Morgen am Strand und einer gemütlichen Siesta auf unserer Terrasse mit Meerblick in Marina di Camerota wollten wir mal eben in das Nachbarstädtchen San Giovanni a Piero fahren, um das Auto aufzuladen. Beim stetigen Serpentinen-Anstieg konnten wir zusehen, wie die Reichweite schwand. Da wird man doch etwas unruhig, vor allem nach unserer Erfahrung, dass die Angaben in der App in Italien nicht immer zutreffen. Daher hatten wir nicht ganz so viel Muße, um die wunderschönen Ausblicke hoch oben über dem Meer genießen zu können. Unser Ziel hatten wir angeblich vor einem geschlossenen Tor einer Villa erreicht und nur noch 60 km Reichweite. Mist!

Also erst einmal die Einheimischen fragen. Ja, an der Piazza gebe es eine Ladesäule. Nach etwas Sucherei im Gassen-Gewirr entdeckten wir eine langsame Ladesäule, und zum Glück funktionierte sie! Puh! Jetzt mussten wir nur noch etwas Zeit dort oben verbringen, was sich ja prima zum Ansehen des Ortes nutzen ließ. Wie wir da so umherschlenderten, entdeckten unsere mittlerweile geschulten Augen doch wirklich noch eine Schnellladesäule! Schnell auf den einen freien Platz gestellt, weil der zweite schon zum Parken von einem normalen Verbrenner missbraucht wurde. Dann konnten wir wesentlich entspannter durch den Ort schlendern.

Später ging es zurück nach Neapel, um mit der Nachtfähre nach Sizilien überzusetzen. Mit dem E-Auto ganz einfach. Es gab keine besonderen Bestimmungen oder Einschränkungen.

Gut ausgebaute Ladestruktur auf Sizilien

Auf Sizilien fanden wir eine sehr gut ausgebaute Ladeinfrastruktur vor. Bei allen unseren Ausflügen konnten wir problemlos laden. Die weiteste Strecke, die wir hier zurücklegten, war die von Castellamare del Golfo, westlich von Palermo, nach Syrakus. Auch die Überfahrt von Messina zurück auf das Festland drei Wochen später verlief problemlos. Hier dauert die Fahrt mit der Fähre nur knapp 30 Minuten.

Unsere Reiseziele im südlichen Kalabrien und in Apulien waren ebenfalls sehr gut erreichbar. Dort gibt es gut ausgebaute Schnellstraßen und Autobahnen, und in den Städten sind überall Ladestationen zu finden.

Die lange Strecke vom wunderschönen Naturpark Gargano im Sporn Italiens zurück nach Deutschland haben wir mit zwei Zwischenhalten in Rimini und in Memmingen gut gemeistert, vor allem, weil die Adria-Autobahn sehr gut ausgebaut ist. So kann man immer wieder schnelle Ladestopps einlegen und in Ruhe mit Tempomat an der Küste entlangfahren.

Unser Fazit

Auf der Fahrt sind wir von staunenden Touristen aus Münster angesprochen worden, ob wir die ganze Fahrt mit dem E-Auto hierher geschafft haben. „Na, klar“, konnte ich da nur antworten. Ein Wagen, wie der ID.3 reicht dafür vollkommen aus.

Man muss sagen, dass das Reisen im E-Auto wirklich sehr entspannend und entschleunigend wirkt. Wenn man die Reiseroute vorher gut geplant hat und eine App und/oder Ladekarte dabei hat, kann es einem auch nicht passieren, liegen zu bleiben. Die Tour durch Italien war wirklich toll und das Reisen mit dem E-Auto hat es zu einem angenehmen Erlebnis gemacht.

Am Ende haben wir für die 5.590 Kilometer lange Strecke von Bielefeld nach Sizilien und zurück rund 980 kWh gebraucht. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 17,5 kWh/100 km. Sehr sparsam also! Zum Vergleich: Auf der Langstrecke geht man wegen geringerer Rekuperation als im Stadtverkehr davon aus, dass alles unter 20 kWh/100 km sehr sparsam ist.

Die ganze Reise zum Nacherleben: www.sdwrts.blog

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