Hochwasserschutz im „digitalsten Dorf der Welt“
| Ulla Rettig
Hochwasserschutz in #Etteln, bekannt als „digitalstes Dorf der Welt“, zeigt sich zunächst im Kleinen: Beim Spazieren über eine schmale Fußgängerbrücke im Dorf, die das Flüsschen Altenau quert, entdecken wir einen QR-Code (Foto). Mit seiner Hilfe erfahren wir den genauen Pegelstand des Gewässers (siehe Foto).
Ein Gimmik, „nice to have“? Im Gegenteil: Etteln befindet sich in einem Talkessel, durch den die Altenau fließt. Diese wirkt harmlos in heißen und regenarmen Zeiten. Doch sie kann auch anders, wie nach dem Starkregen vom 16. Juli 1965. Damals verwüstete die „Heinrichsflut“ den Ort. Etteln sei vollgelaufen „wie eine Wanne“, berichteten Augenzeugen. Bis zu zwei Meter hoch stand das Wasser. Hunderte Bewohner/innen wurden von den Fluten eingeschlossen und mussten sich auf Bäumen und Dächern in Sicherheit bringen. Sieben Menschen starben.
An die Hochwasserkatastrophe erinnert eine steinerne Stele auf dem Rasen neben der kath. Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus (Foto).
Damit solch ein Unglück nie wieder geschieht, ist in dem Ortsteil der ostwestfälischen Gemeinde Borken (Kreis Paderborn, NRW) und in den umliegenden Gemeinden viel geschehen. 1971 wurde der Wasserverband Obere Lippe (WOL) gegründet. Er kümmert sich seither um bauliche Maßnahmen an den Fließgewässern in der Region, seit 2004 mit Fokus auf der Altenau.
Uns interessiert, ob sich das Dorf durch einen besonderen Hochwasserschutz auf digitaler Basis hervortut. Denn der 1.800-Einwohner-Ortsteil hatte Ende 2024 den internationalen IEEE Smart City Contest gewonnen und damals sogar Hongkong übertroffen.
„Aktuell noch nicht“, erklärt der ehemalige Ortsvorsteher und jetzige Digitalisierungsverantwortliche (CDO) Ulrich Ahle auf Nachfrage, „aber wir arbeiten an dem Thema.“ Ziel sei es, ein komplexes und auch auf andere Kommunen übertragbares Hochwasserinformationssystem aufzubauen.
Der QR-Code, den wir bei unserem Ausflug gesehen haben, sei keine Besonderheit, betont der CDO von Etteln. So etwas sei „mittlerweile in einer Reihe von modernen und digitalen Orten“ vorhanden. Die Lösung an der Altenaubrücke zum Beispiel stammt von der Firma Citylytics. An mehreren Stellen wurden Flusspegel-Sensoren installiert, außerdem Grundwasserpegel-Sensoren und Niederschlagsmesser.
In einem realitätsnahen 3D-Modell des Dorfs namens DiDoZ lassen sich schon jetzt Auswirkungen von Starkregenereignissen simulieren. Die Abkürzung steht für „Digitaler Dorf Zwilling Borchen-Etteln“. Einige Pegelstände werden darin bereits angezeigt.
Zudem entsteht in einem von der EU geförderten Schwesterprojekt, dem „Waterverse“, ein umfassendes Wasserwarnsystem, basierend auf Messdaten und mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Selbstverständlich fließen Informationen von DiDoZ-Sensoren darin ein.
Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus Etteln sollen auch anderen Regionen im ländlichen Raum helfen. Deshalb arbeiten die Verantwortlichen ganzheitlich und mit Open-Source-Lösungen.
Wir finden: Das ist eine tolle Sache, die Schule machen sollte.
Weitere Infos gibt es zum Beispiel hier: https://didoz.de/handlungsfelder/wasser/
#SmartCity