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10.232 Schwimmbäder in Deutschland, aber …

10.07.2026 Gesellschaft

Erinnert sich noch jemand an den „Goldenen Plan“ aus der Wirtschaftswunder-Zeit? Verkündet wurde die Richtlinie oder auch das Konsens-Papier 1959 von der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG). In den alten Bundesländern lief daraufhin bis 1975 ein umfangreiches Sportstätten-Bauprogramm. Bund, Länder und Gemeinden steckten viel Geld in neue Anlagen, besonders in Schwimmbäder. Ehrenamtliche opferten viele Wochenenden, um mitzuhelfen.

„Die DDR fokussierte sich seinerzeit auf die kontinuierliche Entwicklung von Sportstätten zur Förderung des Leistungssports“, heißt es außerdem von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V. (DGfdB).

„Splish-Splash“ für alle. Wenn man heute auf die Bäderlandschaft schaut, sieht die Situation weniger rosig aus, denn viele Bäder müssten saniert werden. Manche sind inzwischen geschlossen; einige vorübergehend, andere für immer.

Zahlen: Wie viele Schwimmbäder es genau in Deutschland gibt, ist eine Definitionsfrage. Eine sehr gute Annäherung bietet das Portal baederleben.de, herausgegeben von der Hochschule Koblenz unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Ziel ist eine valide Datenbasis über Bäder in Deutschland. Viele freiwillige Badpat/innen und freiwillige Helfern/innen wirken daran mit, diese Daten „auf Stand“ zu halten.

Aktuell sind 10.232 Schwimmbäder gelistet, mit insgesamt 19.494 Becken. Genannt werden zum Beispiel

  • 2.474 Frei- und Kombibäder,
  • 1.663 Hallenbäder und
  • 979 Schulbäder.

Von allen Badeorten in der Gesamtliste, darunter auch Naturbäder, Hotel-, Klinik-, Schul- und sonstige Bäder, sind längst nicht alle öffentlich zugänglich. Darüber hinaus sind nach dem aktuellen Stand 525 „dauerhaft“ geschlossen. Das Spektrum reicht

- von A wie Ahr-Thermen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, ein Freizeitbad mit sechs Becken. Ursache: die Flutkatastrophe im Juli 2021. Jedoch soll die Therme am selben Standort wieder aufgebaut werden. Die entsprechende Ausschreibung wurde im März 2026 veröffentlicht, berichtet die Stadt.

- bis Z wie Zentralbad Gelsenkirchen. Dort soll bis 2028 ein neues Zentralbad entstehen, so eine Info der Stadt.

Selbst bei regulär geöffneten Einrichtungen kann es zu Engpässen kommen, manchmal ausgerechnet dann, wenn ein“ Hitzedom“ über Deutschland hängt. Mal fehlt wichtiges Personal wegen Krankheit, mal verschlechtert sich die Wasserqualität binnen Tagen und aufgrund der vielen Gäste so stark, dass nichts mehr geht.

Im Durchschnitt entstanden Schwimmbäder in Deutschland um 1970. Nur etwa jedes Dritte (38 Prozent) wurde seither kernsaniert. „Kein Wunder also, dass der Investitionsrückstand immens ist“, erklärt dazu die DGfdB. Sie hat vor wenigen Tagen die Ergebnisse einer Umfrage zum baulichen und energetischen Zustand der Bäder in Deutschland 2026 veröffentlicht. Besonders betroffen seien:

  • Dach- und Fassadensanierungen
  • Wärmeerzeugungsanlagen
  • Lüftungstechnik
  • Wasseraufbereitungssysteme und
  • elektrotechnische Anlagen.

Die DGfdB betont: „Die Befragung unterstreicht erneut die Notwendigkeit verlässlicher Förderstrukturen sowie langfristiger politischer Unterstützung, um die öffentliche Bäderinfrastruktur dauerhaft sichern und modernisieren zu können.“

Auf den sozialen Aspekt macht das Deutsche Instituts für Urbanistik (difu) aufmerksam. Nach einer Befragung unter Kämmereien im Auftrag der KfW im Oktober 2024 kommt Difu-Wissenschaftlerin Frida von Zahn zu dem Schluss: „Die Bedeutung von Sportstätten als Orte gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheitspflege ist nicht zu unterschätzen. „ Und weiter: „Die große Zahl an Kommunen mit Investitionsrückstand zeigt jedoch dringenden Handlungsbedarf. Hier aktiv zu werden, würde sich letztlich auch positiv auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken.“ 

Quellen u.a. : © Bundesinstitut für Sportwissenschaft
Datenquellen Koordinaten: © GeoBasis-DE / BKG (2021), difu.de, kommunal.de

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